Immer mehr Menschen sind mit E-Bikes oder E-Rollern unterwegs. Vor allem Erwachsene verzichten dabei immer noch auf den schützenden Helm, laut Bundesanstalt für Straßenwesen waren es im Jahr 2023, trotz Anstieg der Helmtragenden mit E-Bikes, immerhin noch 35 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer. Bei konventionellen Fahrrädern sind es sogar 65 Prozent, die keinen Helm tragen. „Wer wie ich seit Jahren in der Klinik und im Rettungsdienst arbeitet, für den ist ein Fahrradhelm ohne Alternative", sagt Siegfried Buser, Oberarzt an der BDH-Klinik Elzach und Mitglied im BDH-Bundesvorstand.
Im Jahr 2025 gab es laut Statistischem Bundesamt deutschlandweit insgesamt fast 96.000 Fahrradunfälle mit Personenschaden. An mehr als 2/3 dieser Fahrradunfälle (68,9 Prozent) war ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt. Hinter jeder Zahl verbergen sich Menschen, Familien und Lebensgeschichten, die sich in nur wenigen Sekunden grundlegend verändern können.
Das Fahrrad wird vor allem für kurze Alltagswege sowie für Freizeitaktivitäten genutzt. Zwar macht laut Fahrrad‑Monitor 2025 vielen Menschen das Radfahren Spaß und sie empfinden es als förderlich für Gesundheit und Umwelt, doch fühlen sich gut 40 Prozent der Radfahrenden im Straßenverkehr unsicher. Als Hauptursachen werden insbesondere rücksichtsloses Verhalten von Autofahrenden, ein hoher Verkehrsdruck sowie hohe Geschwindigkeiten von motorisierten Fahrzeugen genannt.
Hinzu kommen ungünstige äußere Bedingungen und infrastrukturelle Risiken: Nässe, Laub, glatte Fahrbahnen, schlechte Sicht sowie enge und schlecht markierte oder ganz fehlende Radwege können Stürze begünstigen. Das ist keine Einbildung: 2025 wurden 462 Radfahrende im Straßenverkehr getötet.
Immer wieder hört man auch von sogenannten Dooring-Unfällen, wenn öffnende Fahrzeugtüren am Straßenrand Radfahrerinnen und Radfahrer in Lebensgefahr bringen können, vor allem, wenn sie ohne Helm unterwegs sind. Und auch, wenn Stürze einigermaßen glimpflich verlaufen oder zu einfachen Frakturen von Handgelenk, Unterarm, Schlüsselbein oder Hüfte führen können, setzen sie Betroffene mehrere Wochen außer Gefecht.
Dabei sind ältere Radfahrende besonders gefährdet: 2/3 aller tödlich verunglückten Radfahrenden sind 65 Jahre oder älter (61, 5 Prozent). Häufig passieren die Unfälle auf kurzen Strecken, zum Beispiel auf dem Weg zum nahegelegenen Einkaufszentrum.
Fahrradfahren gilt zu Recht als gesund: Es stärkt Herz und Kreislauf, fördert die Ausdauer, entlastet die Umwelt und lässt sich gut in den Alltag integrieren. Gleichzeitig wird dabei oft unterschätzt, dass Radfahrende im Straßenverkehr kaum geschützt sind. Schon ein einzelner Aufprall, durch Eigen- oder Fremdverschulden verursacht, kann zu Gehirnerschütterungen, Schädel-Hirn-Traumata oder bleibenden neurologischen Schäden führen. Die beeinträchtigen das eigene und das Leben anderer Unfallbeteiligter oft enorm. Im schlimmsten Fall beenden sie es auch dramatisch.

Siegfried Buser
Notarzt und Oberarzt Medizincontrolling, Leitung Patientenaufnahme an der BDH-Klinik Elzach
Phasenweise war eine ganze Station der Klinik mit Radlerinnen und Radlern belegt. Die meisten davon trugen vor dem Sturz keinen Helm.
Bei einem Aufprall ist der Unterschied mit oder ohne einen gut sitzenden Helm
erschreckend groß.
18 Studien fanden keinen Hinweis, dass Helmtragende riskanter fahren. Je besser allerdings die Radinfrastruktur, desto sicherer fühlen sich die Menschen und betrachten es auch nicht unbedingt für notwendig, Helme zu tragen. Fahrradhelme sind also auch eine Begleiterscheinung verbesserungswürdiger Fahrradinfrastruktur. Ein Helm macht aus einer gefährlichen Straße aber keine sichere Straße und eine gute Radinfrastruktur macht den Helm auch nicht überflüssig. Er mindert die Folgen, wenn trotzdem etwas passiert.
Große Übersichtsarbeiten fanden keinen klaren Zusammenhang zwischen Fahrradhelmen und einem erhöhten Risiko für Halswirbelsäulen- oder Nackenverletzungen. Studien zeigen dagegen, dass Helme das Risiko für Kopf- und Hirnverletzungen klar senken. Durch das richtige Tragen von passenden Fahrradhelmen werden zwischen 20 Prozent der Kopfverletzungen bei Leichtverletzten und bis zu über 80 Prozent der Kopfverletzungen bei besonders schwer Verletzten vermieden. Dies legt eine Studie der HFC Human-Factors-Consult GmbH von 2017 dar, die im Auftrag der Verkehrsministerien Baden-Württemberg und Thüringen erstellt wurde.
Auch ein Sturz bei geringer Geschwindigkeit kann gefährlich sein, wenn der Kopf auf Asphalt, Bordstein, eine Autokante oder Straßenbahnschienen trifft. Entscheidend ist nicht nur die Fahrgeschwindigkeit, sondern vor allem, wie und worauf der Kopf aufprallt. Vorsichtiges Fahren hilft, aber es schützt nicht vor allem, denn Unfälle entstehen nicht nur durch eigenes Verhalten.
Helmtragen ist eine einfache Gewohnheit wie Anschnallen im Auto. Es sagt nicht: „Ich kann nicht Rad fahren“, sondern: „Ich weiß, dass mein Gehirn keinen Ersatz hat.“



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Quelle: Statistisches Bundesamt
Die Frage muss erlaubt sein, ob sie sich für unverwundbar halten.
Wir bekommen seit einigen Jahren zunehmend mehr Patienten zur neurologischen Rehabilitation zugewiesen, die auf Scootern oder E-Bikes unterwegs waren.

Prof. Dr. Jens D. Rollnik
Chefarzt und ärztlicher Direktor BDH-Klinik Hessisch Oldendorf
Das Tragen von Fahrradhelmen ist in Deutschland freiwillig – einzig, wer ein S-Pedelec (Elektrorad bis 45 km/h) fährt, ist mit einem Kraftfahrzeug unterwegs und zum Tragen eines Helms verpflichtet. Wer sicher unterwegs sein will, braucht den richtigen Helm und der muss nicht nur gut sitzen, sondern auch korrekt eingestellt sein. Der ADAC hat wichtige Tipps zusammengestellt, worauf zu achten ist:
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC sucht für eine Umfrage Menschen mit Behinderung, die ihre Erfahrungen beim Radfahren teilen wollen. Ziel der Umfrage ist, die Barrierefreiheit im Radverkehr zu verbessern und dadurch allen Menschen das Radfahren zu ermöglichen.
Sie haben eine Behinderung und fahren Fahrrad? Bitte erzählen Sie von Ihren Erfahrungen und nehmen an der anonymen Online-Umfrage teil. Die Umfrage ist auch in einfacher Sprache verfügbar: Zur Umfrage
Die Umfrage ist Teil des Projekts „Barrierefrei mit dem Rad unterwegs – Radmobilität für Menschen mit Behinderungen am Beispiel Baden-Württemberg“. Es wird vom ADFC Baden-Württemberg durchgeführt und vom Bundesministerium für Verkehr aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans gefördert. Zur Projektseite



