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Wie viele Kliniken braucht Deutschland?

02.08.2019

In diesen Tagen ging durch die Presse, dass die Bertelsmann-Stiftung vorschlägt, die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland von etwa 1.400 auf 600 große Häuser zu reduzieren. Lesen Sie hierzu einen Kommentar von Prof. Dr. med. Jens.-D. Rollnik, Ärztlicher Direktor der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf

Wie viele Kliniken braucht Deutschland?

Es steht außer Frage, dass es hochspezialisierte Leistungen gibt, z.B. die Versorgung von Frühgeborenen in neonatologischen Zentren, die nur an ausgewählten Kliniken der Maximalversorgung erbracht werden sollten. Dies ist nicht zuletzt aus Gründen der Qualitätssicherung geboten. Auch Herztransplantationen oder neurochirurgische Eingriffe können nur an dafür personell ausgestatteten und interdisziplinär ausgerichteten Zentren geleistet werden. Hier bedeutet die Bündelung von Patientenströmen auch einen Qualitätsgewinn. Denn eine Operateurin/ein Operateur kann einen schwierigen Eingriff nur dann gut machen, wenn ausreichende OP-Zahlen und damit Erfahrungen vorliegen.

Andererseits gibt es aber auch Behandlungen, bei denen Patienten klar von einem Zeitgewinn profitieren, wenn diese flächendeckend und damit so wohnortnah wie möglich angeboten werden. In den Kliniken des BDH Bundesverband Rehabilitation gehört zu diesen zeitkritischen Behandlungen z.B. die akute Schlaganfallversorgung. Nicht zuletzt die Bertelsmann-Stiftung macht sich hier für ein engmaschiges Netz von regionalen Spezialstationen stark, sog. Stroke Units. Beim Schlaganfall gilt die Devise „Time is brain!“. Dies bedeutet, dass umso mehr Hirngewebe nach einem Schlaganfall gerettet werden kann, je schneller der Patient einer Stroke Unit zugeführt wird. Bei solchen Erkrankungen wäre es also kontraproduktiv, allein auf wenige Zentren zu setzen, denn durch den Transport in ein weiter entferntes Klinikum müsste der Patient Zeitverluste zu seinem Nachteil in Kauf nehmen.

Eine ganz andere Frage ist die, wie mit Leistungen umgegangen werden soll, die in der Fläche von sog. „Häusern der Grund- und Regelversorgung“ erbracht werden. In Krankenhäusern dieser Versorgungsstufe wird eine chirurgische und internistische, bisweilen auch geburtshilfliche Basisversorgung wohnortnah angeboten. Wenn man sich z.B. ein Bein bricht oder eine Lungenentzündung zuzieht, dann wäre man in einem solchen wohnortnahen Krankenhaus der Basisversorgung gut aufgehoben. Diese Kliniken verfügen über Bettenzahlen von etwa 100 bis 300. Krankenhäuser mit bis zu 300 Betten machten 2016 nach den Angaben der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) immerhin 1064 der 1607 deutschen Krankenhäusern aus, das sind gut zwei Drittel. Und gerade diesen wohnortnahen Klein-Krankenhäusern müsste es, der Bertelsmann-Studie zufolge, in erster Linie „an den Kragen gehen“.

Da wir in einer demokratischen Gesellschaftsordnung leben, macht es Sinn, die Bürgerinnen und Bürger danach zu fragen, welche Art der Gesundheitsversorgung sie sich wünschen. Für die Klinikbehandlung wollen die Bundesbürger laut einer Umfrage aus dem Jahr 2012 keine langen Wege in Kauf nehmen, für 96% der Befragten ist ein Krankenhaus in Wohnortnähe daher wichtig. 88% bewerten die Qualität der medizinischen Versorgung dort als gut oder sehr gut - das geht aus der von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage hervor. Demnach stuft eine Zweidrittelmehrheit die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland als "gerade richtig" ein.
Gesundheitspolitiker sind also gut beraten, auf Volkes Stimme zu hören, wenn es um die Schließung von Krankenhäusern geht.

Hierbei spielen neben emotionalen auch wirtschaftliche Faktoren eine bedeutende Rolle. Ein kleines Krankenhaus ist tief in einer Gemeinde verankert, ist Arbeitgeber für viele Menschen in der Region. Ein Krankenhaus schafft auch Identität, es ist „unser Krankenhaus“. Der BDH Bundesverband Rehabilitation hat diese beeindruckende Verwurzelung in der Gesellschaft bei der Übernahme des Bruder-Klaus-Krankenhauses in Waldkirch erfahren. Den Bürgerinnen und Bürgern ist der Erhalt der Werte und Traditionen dieser Klinik sehr wichtig gewesen. Denn diese Identifikation mit einem Krankenhaus schafft Vertrauen und nimmt Ängste. Psychologisch gesehen befördert ein wohnortnahes Krankenhaus mit seiner vertrauten Umgebung, mit Mitarbeitern, die den Patienten bekannt sind und seiner Verankerung in der Kultur und Geschichte einer Gemeinde das Vertrauen in die Behandlung. Und Vertrauen baut Unsicherheiten und Ängste ab. Das ist sicher auch der Grund dafür, warum sich viele Menschen für den Erhalt kleinerer, wohnortnaher Krankenhäuser aussprechen.

Die Bertelsmann-Studie mag gesundheitsökonomisch Sinn machen, die Bürgerinnen und Bürger erreicht sie allerdings nicht, denn diese wünschen sich eine andere, bewährte Art der wohnortnahen Krankenhausversorgung.

Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH, der große deutsche Sozialverband und Klinikträger, ist führend auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der bietet BDH soziale und sozialrechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an.

Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken in Braunfels (Hessen), Elzach (Baden-Württemberg), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), Hessisch  Oldendorf (Niedersachsen) und Vallendar (Rheinland-Pfalz) . Dazu kommen die BDH-Klinik Waldkirch für Chirurgie und Innere Medizin, das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das BDH-Therapiezentrum Ortenau mit Standorten in Offenburg und Gengenbach. 

Die stationäre neurologische Rehabilitation in den BDH-Kliniken nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten.

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