Corona-Pandemie kostet 5 Jahre Fortschritt bei beruflicher Teilhabe

02.12.2021

Weniger Arbeitslose als vor einem Jahr meldet in diesen Tagen die Bundesagentur für Arbeit. Für Menschen mit Behinderung stimmt das nicht, belegt das Inklusionsbarometer Arbeit 2021. Der Beschäftigungsgrad von Menschen mit Schwerbehinderung fällt auf das Niveau von 2016. Der BDH fordert die Politik auf, mit Konsequenz in der barrierefreien Digitalisierung mehr berufliche Chancen für sie zu schaffen.

Corona-Pandemie kostet 5 Jahre Fortschritt bei beruflicher Teilhabe

 Mit den Erfahrungen der Pandemie kommt der Barrierefreiheit nach Einschätzung des BDH Bundesverband Rehabilitation entscheidendes Potenzial und große Bedeutung für berufliche Teilhabe zu: „Es gibt zu viele arbeitslose Menschen mit Behinderung und zu viele Unternehmen, die ihren Pflichtanteil an beschäftigten Menschen mit Behinderung nicht oder nicht ausreichend erfüllen. Wir brauchen deshalb endlich räumliche und digitale Barrierefreiheit ohne Wenn und Aber – das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz muss umgesetzt werden. Es kann nicht sein, dass die Einstellung eines schwerbehinderten Menschen an einer nicht adäquaten Software-Ausstattung scheitert. Wer bei der Digitalisierung aufs Tempo drückt, darf die digitale Barrierefreiheit nicht auslassen“, mahnt Ilse Müller, BDH-Bundesvorsitzende.

Acht Prozent höhere Arbeitslosenquote als vor der Pandemie

Menschen mit Behinderung haben im Fall von Arbeitslosigkeit größere Schwierigkeiten, auf den Arbeitsmarkt zurückzufinden als Menschen ohne Behinderung. Die Corona-Pandemie hat noch einmal deutlich mehr Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben verwehrt. Die weltweite Krise hat eine der gravierendsten Wirtschaftskrisen in Deutschland seit Ende der Nachkriegszeit ausgelöst – mit erheblichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die
Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung. Im Oktober 2021 waren acht Prozent mehr Menschen mit Behinderung arbeitslos als vor der Corona-Pandemie. Das belegen Daten des Inklusionsbarometers Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute.
Vor der Corona-Pandemie habe es auf dem Arbeitsmarkt Lichtblicke für behinderte Menschen gegeben. „Alle seither erreichten Fortschritte sind verloren“, beklagt Bernd Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute. Zwar liegen die aktuellen Arbeitslosenzahlen niedriger als im Oktober 2020, jedoch deutlich über denen vom Oktober 2019. Insgesamt verzeichnet der Arbeitsmarkt von Menschen mit Behinderung weniger positive Impulse als der allgemeine Arbeitsmarkt, wodurch der Anteil arbeitsloser Schwerbehinderter an der Gesamtarbeitslosenzahl insgesamt wieder zunimmt und für Menschen mit Behinderung auf das Niveau von 2016 zurückfällt.

Mit Entschlossenheit gegen drohende Langzeitarbeitslosigkeit

Den Anstieg der Arbeitslosigkeit führt Rürup vor allem auf ausgebliebene Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen zurück, in deren Anschluss dann weniger Menschen mit Schwerbehinderung in Lohn und Brot kämen.
Der BDH warnt davor, dass immer mehr schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschen können, wenn Politik und Wirtschaft hier nicht entschlossen gegensteuern. BDH-Bundesgeschäftsführer Gero Skowronek bewertet die längerfristigen Arbeitsmarktaussichten für Menschen mit Behinderung prinzipiell als positiv, da aufgrund des demographischen Wandels das Arbeitskräfteangebot in den kommenden Jahren weiter schrumpfen wird. Er appelliert jedoch: „Eine konsequente digitale Barrierefreiheit würde aber das Tempo erheblich beschleunigen und die Chancen auf berufliche Teilhabe bereits kurzfristiger erhöhen.“


Hier der Link zum Inklusionsbarometer: https://www.aktion-mensch.de/inklusion/arbeit/zahlen-daten-fakten

Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH, der große deutsche Sozialverband und Klinikträger, ist führend auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der BDH bietet soziale und sozialrechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an.

Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken in Braunfels (Hessen), Elzach (Baden-Württemberg), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), Hessisch  Oldendorf (Niedersachsen) und Vallendar (Rheinland-Pfalz) . Dazu kommen die BDH-Klinik Waldkirch für Chirurgie und Innere Medizin, das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das BDH-Therapiezentrum Ortenau mit Standorten in Offenburg und Gengenbach. 

Die stationäre neurologische Rehabilitation in den BDH-Kliniken nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten.

 
Instagram
Facebook

BDH Bundesverband Rehabilitation • Lievelingsweg 125 • 53119 Bonn • Tel. 02 28 / 9 69 84 - 0 • E-Mail schreiben
ImpressumDatenschutz

Instagram
Facebook

BDH Bundesverband Rehabilitation
Lievelingsweg 125
53119 Bonn
Tel. 02 28 / 9 69 84 - 0
ImpressumDatenschutz