30. März 2026
Barrierefreiheit ist in vielen Einrichtungen immer noch keine Selbstverständlichkeit, obwohl die Gesetzeslage etwas anderes vorschreibt. Wie sieht es mit Großveranstaltungen wie Fußballspielen aus?

Der „Fußball-für-alle Index“ von 2025 gibt Aufschluss darüber, wie die Lage in der ersten und zweiten Bundesliga aussieht. Die laut Gesetz vorgeschriebenen 1 % Rollstuhlplätze, welche jedes Stadion bereitstellen soll, erreichen nur die wenigsten. Auch die vorgeschriebenen Angebote für Seh- und Hörgeschädigte lassen vielerorts zu wünschen übrig und sogar barrierefreie Toiletten gibt es zu wenige. Dennoch gibt es Fußballvereine, die mit gutem Beispiel vorangehen und sich Konzepte überlegt haben, um das Stadionerlebnis für alle so zugänglich wie möglich zu machen.
Die VELTINS-Arena in Gelsenkirchen, die Heimat von Schalke 04, wartet mit mehreren Angeboten auf. Bemerkenswert ist die meist ehrenamtliche Arbeit von Fans für Fans. Die Ehrenamtler bieten zum Beispiel professionelle Reportagen für Menschen mit Sehbehinderung an. Diese können mithilfe von Funkgeräten das Spielgeschehen verfolgen und frei im Stadion Platz nehmen, während Gäste mit Behinderungen in anderen Stadien auf vorgegebene Plätze angewiesen sind. Den ehrenamtlichen Blindenreporterinnen und -Reportern wird beigebracht, möglichst einheitlich und nah am Spielgeschehen zu beschreiben. Dafür gibt es ein bundesweit geltendes Handbuch und jährliche Foren, um eine gewisse Qualität sicherzustellen.

Blindenreporter Andreas Spohn bei der Ausgabe der Funkkopfhörer.
Zusätzlich bietet der Verein sogenannte „Sensory Bags“ an, welche besonders für Menschen mit Autismus oder anderen Neurodivergenzen geschaffen wurden, um Reizüberflutungen zu minimieren. In diesen Taschen befinden sich Kopfhörer, Stressbälle, Emotionskarten und mehr.
Leider schneiden nicht alle Stadien so gut ab. Besonders das größte Stadion Deutschlands fällt negativ auf: 70 rollstuhlgerechte Plätze gibt es im Borussia Park Dortmund, das sind nur 0,11 % aller Plätze! Auch an sonstigen barrierefreien Angeboten fehlt es dem Stadion. Nur zwei behindertengerechte Toiletten (auf 66.100 mögliche Besucherinnen und Besucher) sind eindeutig zu wenig.
Die Situation der Bundesliga hinsichtlich Barrierefreiheit einzuschätzen ist sehr individuell, oft sind die verschiedenen Stadien sehr unterschiedlich engagiert ihre behindertengerechten Angebote zu erweitern, sodass kein einheitliches Bild entsteht. Andreas Spohn, ehrenamtlicher Blindenreporter der VELTINS-Arena, sagt dazu: „Wer stagniert, macht eigentlich Rückschritte. Viele Vereine haben großes Nachholpotential, während andere sich sehr bemühen, inklusiver zu werden.“
Die einzelnen Mitglieder der Fußballvereine fühlen sich meist machtlos, da viele Entscheidungen zum Ausbau der Barrierefreiheit an den Fußballverbänden aller Ligen und den jeweiligen Eigentümern der Stadien hängen, welche abhängig vom Standort den Kommunen, speziellen Tochtergesellschaften oder den Fußballvereinen selbst gehören.
Ein guter Ansatz ist, sich zu informieren, welches Konzept die eigene Mannschaft verfolgt und die Gruppe der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zu erweitern, wenn es sich anbietet. Wenn das Konzept Überarbeitungsbedarf hat, kann es auch hilfreich sein, sich direkt an den Verein oder die Kommune zu wenden.