Von Anfang an...

17.03.2021

1962 war Georg Richter zum ersten Mal im damals ganz neuen "Hirnverletzten-Kurheim Elzach/Schwarzwald" zur Kur. Wie kein anderer hat er den Wandel vom Sanatorium zur modernen BDH-Klinik Elzach, dem größten Standort für neurologische Frührehabilitation in Baden-Württemberg, miterlebt. In diesem Jahr lässt Herr Richter sich nun zum 25. Mal in der BDH-Klinik Elzach "seine Batterien wieder aufladen".

Daniel Charlton (li.) und Siegfried Buser (re.) mit Jubilar Georg Richter

Das ist für Klinikgeschäftsführer Daniel Charlton und Siegfried Buser, Oberarzt in Elzach und Mitglied im BDH-Bundesvorstand Anlass genug, Herrn Richter für seine lange Treue zu danken und überreichten ihm zum 25. Kuraufenthalt zum guten Tropfen einen prall gefüllten Schwarzwälder Vesperkorb. "Die Geschichte des BDH", die aktuell zum 100-jährigen Jubiläum des BDH Bundesverband Rehabilitation erschienen ist, übergab Siegfried Buser. Nicht nur an den Fotos aus den Anfangsjahren des Elzacher Kurheims wird Georg Richter sicher viel Freude haben.

Ein interessantes Gespräch über die ersten Jahre der BDH-Klinik Elzach führte Georg Richter mit Maria Herr von der BDH-Unternehmenskommunikation. Hier ein Auszug:

Als Anfang 1961 in Elzach das 5. Kurheim in Trägerschaft des – damals noch BHKA Bundes für Hirnverletzte Kriegs-und Arbeitsopfer – eröffnet wurde, startete das „Hirnverletzten-Kurheim Elzach/Schwarzwald“ mit einem einzigen Chefarzt und einer Fachärztin. Heute ist die BDH-Klinik Elzach ein hochspezialisiertes Klinik-Zentrum für NeuroRehabilitation, Beatmungs- und Intensiv. Vom Sanatorium für Kriegshirnverletze mauserte sich die Elzacher Einrichtung mit nun 225 Betten und 640 Mitarbeitern zum größten Standort für neurologische Frührehabilitation Phase B in Baden Württemberg und ist auf die Behandlung schwer- und schwerstbetroffener, intensivüberwachungspflichtiger sowie beatmeter Patienten spezialisiert. Einer der wenigen Kurgäste, die die Zeit von den Anfängen bis heute miterlebt haben, ist Georg Richter, der 1962 zum ersten Mal in Elzach war.

Guten Tag Herr Richter, es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen! Wie geht es Ihnen?
Es geht mir sehr gut, vielen Dank! 

1962 kurten Sie zum ersten Mal in Elzach. Wie oft waren Sie seither hier?
Ich habe gehört, man will mir diesmal zum 25. Besuch gratulieren! 

Die Klinik heute ist mit dem Sanatorium von damals nicht mehr zu vergleichen. Zur Eröffnung stifteten die Heimleiter der anderen vier BHKA-Kurhäuser einen Fernsehapparat. Kurze Zeit darauf gab es mit dem Sendestart des ZDF ein zweites Fernsehprogramm. Das kann man sich heute fast nicht mehr vorstellen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Anfangsjahre?
Das war damals schon ganz anders als heute. Hier waren fast ausnahmslos ehemalige Kriegsteilnehmer aus den zwei Weltkriegen, die die Erlebnisse zusammengeschweißt hatte. Der Umgang untereinander war sehr kameradschaftlich. Sicher – wie in jeder Gemeinschaft gibt es natürlich auch Unstimmigkeiten. So gab es immer wieder Kameraden, die aufgrund ihrer Verletzungen schwer beeinträchtigt und daher leicht reizbar waren – hier musste man immer aufpassen - mit ihnen musste man sehr sanft umgehen. Aber im Großen und Ganzen war man immer eine gute Gemeinschaft. Auch war es damals schon möglich, die Ehefrau als Begleitperson mitzubringen, die Kosten wurden vom Versorgungsamt übernommen. Die Frauen trugen viel zum friedliches Klima bei.

Wie war es damals, Kurgast zu sein?
Aufgrund organischer Hirnschädigung durch Mangelernährung während der Kriegsgefangenschaft empfahl mir damals mein Ulmer Nervenarzt eine Erholung in Elzach. Der Aufenthalt tat mir immer sehr gut. Die ärztlichen Maßnahmen waren und sind noch immer hervorragend. Es gab ein schönes Bad und ich erinnere mich vor allem an die zahlreichen Kneippanwendungen und Abspritzungen mit eiskaltem Wasser. Das Wasser kam vermutlich direkt aus dem Berg! Die Ärzteschaft und die Pflegerinnen waren durch die regelmäßigen Aufenthalte gut bekannt, die Atmosphäre war familiär und man fühlte sich immer gut aufgehoben. 

Anders als heute war der Kuraufenthalt eher zur Erholung gedacht und für die Gäste gab es vielseitiges Rahmenprogramm. Mir wurde erzählt, dass z.B. mitten im Sommer eine rheinische Karnevalsgruppe eingeladen wurde und die komplette Klinik samt Patienten und Belegschaft in einem Elzacher Gasthaus ausgelassen feierte.
Das habe ich nun nicht mitbekommen! Aber ja, das ist richtig! Z. B. gab es jeden Samstagnachmittag organisierte Fahrten in die Umgebung. Ich erinnere mich an einen sehr schönen Ausflug nach Straßburg. So etwas hat den Kuraufenthalt natürlich sehr belebt, der Omnibus war fast immer voll. Die Leute waren meist in einer körperlich guten Verfassung und in der Lage teilzunehmen. Abends saß man beim Kartenspiel zusammen und die Kegelbahn war immer gut besucht. Ich erinnere mich gut, dass in einem Jahr ein paar Kameraden auf die Idee kamen, Gedichte zu schreiben. Das humane und geistige kam nicht zu kurz! Viele Kameraden ließen sich anstecken und machten mit. Abends wurden sie vorgetragen und man hatte große Freude daran! Das gab es allerdings auch: manch einer stieg schon mal aus dem Fenster, um sich in den Elzacher Wirtschaften ein Bier zu gönnen. Hier im Heim galt natürlich ein Alkoholverbot. Aber um 22.00 Uhr waren dann alle wieder da.

Das waren wirklich noch andere Zeiten! 1970 erfolgte dann die erste größere bauliche Erweiterung und Ende der siebziger Jahre wurden auch Reha-Maßnahme für Kassenpatienten angeboten. Mit Aufnahme der ersten Schlaganfallpatienten und der leider sehr zahlreichen Verkehrsverletzten wurden in den 80er- weitere Umbauten erforderlich: der Schritt zur modernen Rehabilitation war gelegt. Heute ist das Sanatorium von damals ist nicht mehr wiederzuerkennen und auch das Kuren gibt es in dieser Art nicht mehr. Herr Richter, Sie sind der letzte „Kriegsversehrte“, der hier in Elzach regelmäßig noch zur Anwendung ist.
Mir hat der Schwarzwald immer gefallen und der Aufenthalt tut mir sehr, sehr gut. Hier lade ich meine Batterien wieder auf - das hält dann für ein ganzes Jahr!

Das ist schön, Herr Richter, bleiben Sie gesund! Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und würde mich freuen, wenn wir es im nächsten Jahr fortsetzen könnten.

Georg Richter 
wurde 1926 in Nadwar, einer ungar-deutschen Gemeinde in der Nähe der heutigen serbischen Grenze, als Kind einer deutschen Einwandererfamilie geboren. Sein Plan, nach dem Abitur Medizin zu studieren, zerschlug sich: 1944 wurden er mit 18 Jahren von den Nazis zwangsrekrutiert und geriet nach 5 Monaten in russische Gefangenschaft. Sein 6-jähriger Leidensweg führte Ihn über 20 verschiedene Internierungslager, bevor er Ende 1950 von der Sowjetunion an das mittlerweile kommun. Ungarn ausgeliefert wurde. Völlig abgeschnitten von der Außenwelt war Georg Richter drei Jahre lang im geheimen Internierungslager Tiszalök zur Zwangsarbeit gezwungen. Die Errichtung des Stau-und Wasserkraftwerks von Tiszalök gehört zu den düstersten Kapiteln der ungarischen Geschichte.

1953 kam Georg Richter mit 27 Jahren „heim“. In Ulm hat er eine neue Heimat gefunden und Jura studiert. Bis heute ist er aktiv auf dem Gebiet der Völkerverbindung und Versöhnung, wofür er 1996 das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. Georg Richter berichtet und schreibt bis heute über die Geschichte und Kultur der Ungarndeutschen und hat im letztes Jahr sein drittes Buch „Neun Jahre lebendig tot“ über seine Erlebnisse im geheimen Internierungslagerns Tiszalök in Ungarn veröffentlicht. Georg Richter ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Ulm.

Georg Richter im Gespräch mit Maria Herr

Über den BDH Bundesverband Rehabilitation

Der BDH, der große deutsche Sozialverband und Klinikträger, ist führend auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der BDH bietet soziale und sozialrechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an.

Der BDH hat in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiet der neurologischen Rehabilitation Pionierarbeit geleistet und Einrichtungen gegründet, die bis heute Maßstäbe setzen und von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungen und Versorgungsämtern sowie der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch genommen werden. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken in Braunfels (Hessen), Elzach (Baden-Württemberg), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), Hessisch  Oldendorf (Niedersachsen) und Vallendar (Rheinland-Pfalz) . Dazu kommen die BDH-Klinik Waldkirch für Chirurgie und Innere Medizin, das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das BDH-Therapiezentrum Ortenau mit Standorten in Offenburg und Gengenbach. 

Die stationäre neurologische Rehabilitation in den BDH-Kliniken nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten.

 
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