Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)

Privatsphäre-Einstellung

Wir verwenden auf dieser Website Cookies, die für den Betrieb der Website notwendig sind und deshalb auch nicht abgewählt werden können. Wenn Sie wissen möchten, welche Cookies das sind, finden Sie diese einzeln im Datenschutz aufgelistet. Unsere Webseite nutzt weiterhin externe Komponenten (u.a. YouTube-Videos, Google Analytics, Google Map), die ebenfalls Cookies setzen. Durch das Laden externer Komponenten können Daten über Ihr Verhalten von Dritten gesammelt werden, weshalb wir Ihre Zustimmung benötigen. Ohne Ihre Erlaubnis kann es zu Einschränkungen bei Inhalt und Bedienung kommen. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

  

Helmpflicht: ja oder nein?

28. Mai 2026

Prof. Dr. Jens D. Rollnik, Chefarzt und ärztlicher Direktor der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf: „Immer mehr Menschen sind mit E-Scootern und E-Bikes unterwegs. Obwohl ernsthafte Verletzungen oder gar der Verlust von Leben immer häufiger werden, fühlen sich viele unverwundbar."

Prof. Dr. Jens D. Rollnik

Prof. Dr. Jens D. Rollnik ist Chefarzt und ärztlicher Direktor der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf. Er kann sich an zwei besonders schwere E-Scooter-Unfälle in der eigenen Klinik 2025 erinnern: „In beiden Fällen handelte es sich um junge Menschen, die ohne Helm unterwegs waren und sich schwerste Verletzungen des Gehirns zugezogen hatten. Beide benötigten eine mehrmonatige stationäre Neurorehabilitation.“

Genaue Zahlen könne er zwar nicht nennen, da diese im Krankenhausinformationssystem nicht explizit ausgewiesen werden, aber ganz eindeutig sei eine Tendenz erkennbar: „Wir bekommen seit einigen Jahren zunehmend mehr Patienten zur neurologischen Rehabilitation zugewiesen, die auf Scootern oder E-Bikes unterwegs waren.“ Vor allem die Schwere der Hirnverletzungen nehme seiner Einschätzung nach zu. „Als Neurologe würde ich ganz klar für eine Helmpflicht in Deutschland auf dem Fahrrad oder Scooter plädieren“, mahnt Rollnik.

Mit Helm sich und andere schützen

In Deutschland gibt es keine gesetzliche Helmpflicht, weder für Erwachsene noch für Kinder, auch wenn die Diskussion darüber hitziger wird, besonders bei schnellen Pedelecs und Mountainbikes. Es gibt sowohl Untersuchungen, die sich für das Helmtragen aussprechen als auch solche, die dagegen sind. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) lehnt eine Pflicht ab. Er setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Menschen Fahrradfahren, eine Pflicht Helm zu tragen, wirke sich seiner Ansicht nach, negativ auf dieses Ziel aus. Auch manche Ärztinnen und Ärzte sind gegen eine Helmpflicht.

Rollnik plädiert nicht nur als Mediziner und Wissenschaftler für eine Helmpflicht. Er erfuhr vor einigen Jahren am eigenen Leib, wie gefährlich selbst für Fußgänger Zusammenstöße mit Bikern sein können.

Er wurde Opfer eines E-Scooter-Fahrers und erinnert sich: „In München bin ich von einem alkoholisierten Touristen angefahren worden, der mit einem Leih-Scooter unterwegs war. Durch die Kollision flog ich zwei Meter durch die Luft. Glücklicherweise blieben als Folgen nur Prellungen im Hüftbereich.“

Immer wieder hört man auch von sogenannten Dooring-Unfällen, wenn öffnende Fahrzeugtüren am Straßenrand Radfahrerinnen und Radfahrer in Lebensgefahr bringen können, vor allem, wenn sie ohne Helm unterwegs sind. Prominentes Beispiel war erst im Herbst 2025 die Hamburger Schauspielerin Wanda Perdelwit, die bei einem Dooring-Unfall ums Leben kam.

Rollnik mahnt zur gegenseitigen Rücksichtnahme und Eigenverantwortung im Straßenverkehr. Insbesondere Hirnverletzungen, weiß man im BDH und seinen Kliniken, beeinträchtigen oft das eigene und das Leben anderer Unfallbeteiligter enorm. Im schlimmsten Fall beenden sie es auch dramatisch. Laut Statistischem Bundesamt fuhr 2024 jeder sechste Unfalltote im Straßenverkehr mit dem Rad, deutlich mehr noch als vor zehn Jahren. Vor allem ältere Menschen und Fahrerinnen und Fahrer von E-Bikes sind häufig unter den Unfallopfern.