22. Mai 2025
Klaus Lochmann aus Rheinbrohl ist seit der Kindheit dem BDH verbunden, über 50 Jahre selbst aktiv in der Vorstandsarbeit. Jetzt wurde er beim 1. Sozialbrunch zum Ehrenvorsitzenden des Kreisverbandes Mittelrhein gekürt. Er erinnert sich:
v.l.n.r.: Ilse Müller, BDH-Bundesvorsitzende, Klaus Lochmann, Ehrenvorsitzender BDH-Kreisverband Mittelrhein, Lothar Lehmler, Vorsitzender BDH-Kreisverband Mittelrhein beim Sozialbrunch des KV Mittelrhein.
Berührung mit dem BDH hatte ich schon in jungen Kinderjahren. Unser Vater, Hermann Lochmann, kam - wie so viele andere auch - als Schwerstverletzter aus dem Krieg zurück.
Er schloss sich dem BDH an. Wie es dazu kam, wer den Stein dazu in's Rollen brachte, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.
Erinnern kann ich mich daran, dass plötzlich viele, für mich fremde Menschen, unsere Eltern aufsuchten, hinter der Wohnzimmertür verschwanden und um vieles später - immer noch diskutierend - wieder herauskamen.
Meinem älteren Bruder Horst und mir war nicht entgangen, dass das rege Treiben in unserem Hause - von bekannten und unbekannten Gesichtern - etwas Neues zu bedeuten hatte.
Unsere Eltern eröffneten im späten Frühjahr 1950 einen Kiosk an einer sehr zentralen Stelle am Ortsausgang in Richtung Bad Hönningen vor einer auf der anderen Straßenseite gelegenen Tankstelle.
Das es letztlich dazu gekommen ist, damit hatte auch der BDH zu tun. Die Kameraden Theo Palm und Robert Visarius, welche damals in Andernach wohnten, haben von Verbandsseite aus bei den Vorbereitungen, Genehmigungen, Hilfestellung geleistet.
Aber, das war nicht alles gewesen, was besprochen wurde. Die Kreisgruppe sollte die Bundestagung ausrichten und diese sollte in Rheinbrohl stattfinden. Wenn ich mich recht erinnere schrieb man das Jahr 1952. Somit wurde unser Wohnzimmer immer öfter und mehr zum Besprechungsraum für diesen Kreis. Dieser wurde erweitert durch die Kameraden, den Kreisvorsitzenden Lorenz Rakowitsch aus Neuwied, den Kassierer Hermann Eberweiser aus Linz und dessen Stellvertreter, Johann Rick aus Rheinbrohl.
Später lernte ich auch den 1. Vorsitzenden des BDH, den Kameraden Fritz Götsch, kennen. Er ähnelte unserem Vater, weil er fast die gleiche Kriegsverletzung im Gesicht davon getragen hatte wie er.
So entwickelte sich der Kiosk bald zum Treffpunkt der BDH-Familie in Rheinbrohl und der engeren Umgebung. Hier wurden Absprachen getätigt und Termine gemacht.
Theo Palm und Robert Visarius waren mittlerweile nicht nur gute Ratgeber seitens der Landesgruppe, sondern unterstützten beim Gang zum Gericht denn man hatte erkannt, dass hier in Rheinbrohl das Herz der BDH-Familie schlägt.
Versammlungen innerhalb des Kreisverbandes waren sowohl in Neuwied, Leseverein, wie in Rheinbrohl in den Lokalen Stern und Römer. Eine Weihnachtsfeier durfte auch schon damals nicht fehlen. Meine Erinnerung ist, dass wir Kinder immer gerne dort gewesen sind, weil es etwas „Zusätzliches“ für uns gab.
Die zentrale Lage von Rheinbrohl hat hier den Ausschlag gegeben, dass später fast alle Festivitäten dort veranstaltet wurden.
Ein fester Bestandteil meiner Erinnerung ist, dass ich stellvertretend für den 2. Kassierer Beiträge bei den Kameraden in deren Wohnungen einholte. Der betrug damals 1 Groschen (10 Pfennige) pro Monat. Dafür gab es ein Wertzeichen in der Größe der Berliner-Notopfermarke, welche in ein eigens dafür angefertigtes Heft aus Pappe eingeklebt wurden.
Die Jahre vergingen wie im Flug und der BDH trat für mich, als Jugendlicher, etwas in den Hintergrund.
Doch das änderte sich schlagartig mit meinem 23. Lebensjahr und der Entscheidung evtl. in Nürnberg zu arbeiten. Auch um mich gleichzeitig weiter zu bilden oder das Angebot meiner zukünftigen Schwiegereltern anzunehmen, bei Ihnen mit einzusteigen. Diese trugen sich schon lange mit dem Gedanken, eine Hotel-Pension zu bauen. Der Grund war der, dass die Familie Gertrud und Willi Schmitz einen Gasthof führten und von März bis einschließlich Oktober Feriengäste beherbergten. Diese kamen alle auf Vermittlung der BDH Landesverbände. Die Kosten wurden von den jeweiligen Landschaftsverbänden der einzelnen Bundesländer getragen, welche die Anträge zur Erholungsmaßnahmen vordem genehmigen mußten.
Die Idee „Neubau“ wurde realisiert und ich blieb in Rheinbrohl. Am 14. November 1969 wurde die Hotel-Pension mit Restaurant in Betrieb genommen. Seit diesem Datum spielte sich alles das, was den BDH, den Kreisverband Neuwied anging, hier in Rheinbrohl ab. Das es dazu kam war wohl dem Umstand zu verdanken, dass der Kreisvorsitzende, der Kamerad Willi Radu, ebenfalls in Rheinbrohl wohnte und mich dazu überredete, dem Kreisverband als Schriftführer zu helfen. Zudem mein Schwiegervater Willi Schmitz, 2. Vorsitzender der Kreisgruppe Neuwied war. Zu dieser Zeit (ab 1964) war er ebenso als Landesgeschäftsführer des BDH, in der Landesgruppe Rheinland-Pfalz tätig, die wiederum in Vallendar, Heerstraße, ihre Geschäftsstelle hatte.
Aber, alles war nicht gut gewesen im Jahr 1969, denn es verstarben innerhalb von 7 Wochen zunächst mein Vater mit 61 und mein Schwiegervater mit 45 Jahren. Beide waren Säulen, welche plötzlich weggebrochen sind. Sowie im privaten wie auch im Bereich des BDH.
Die Mitgliedschaft meines Vaters habe ich ab 1970 übernommen und somit konnte ich ab dieser Zeit auch offiziell dem BDH, Kreisverband Neuwied, helfen, indem ich Vorstandsarbeiten übernommen habe. Mit allen Vorsitzenden habe ich dann sehr eng zusammengearbeitet. Egal ob es mit den Kameraden Radu, Vogel, Klappert oder Gumbrecht gewesen ist.
1992 übernahm ich die Verantwortung für die Kreisgruppe Neuwied. Ich wurde Vorsitzender und blieb dies bis zur Fusion mit dem Kreisverband Koblenz im Jahre 2024.
Es waren unglaubliche, emotionelle Berührungen, die mein Leben stark beeinflusst haben. Vor allem der Umgang mit den Behinderten hat mich, das darf man so sagen, Demut gelehrt. Diese habe ich versucht umzusetzen, indem ich für die Mitmenschen - und das zu jeder Zeit - da gewesen war und noch immer bin.