11. September 2025
Auf drängende Fragen der Unterfinanzierung sowie auf die bisher unterschätzte Bedeutung der Mangelernährung in der Neurorehabilitation macht jetzt die BDH-Klinik Hessisch Oldendorf aufmerksam.

Zu Wort melden sich der Ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Dr. med. Jens D. Rollnik und Dr. Simone Jenner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für neurorehabilitative Forschung (InFo) der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Neurologie & Rehabilitation (3/2025).

Prof. Dr. Jens Rollnik
Ärztlicher Direktor BDH-Klinik Hessisch Oldendorf
Wer zu einer Spitzenmedizin Ja sagt, muss in unserer immer älter werdenden Gesellschaft die Potenziale der Neurorehabilitation auch tatsächlich ausschöpfen, und darf sie nicht gefährden. Sie ist kein Nischenthema, sondern geht uns alle an.
Prof. Dr. med. Jens D. Rollnik, Ärztlicher Direktor der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf gGmbH, fordert in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Neurologie & Rehabilitation (3, 2025) für die Umsetzung des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG) eine deutlich höhere, aufwandgerechte Finanzierung der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation (NNFR). Die Finanzierung müsse dringend an Parametern ausgerichtet werden, die alle Faktoren, Komplikationen und Folgeerkrankungen (Morbidität) im Behandlungsprozess schwer erkrankter Patientinnen und Patienten besser abbilden als bisher.

Die BDH-Klinik Hessisch Oldendorf.
Die besonders hohe Morbiditätslast der Frührehabilitandinnen und -rehabilitanden in der BDH-Klinik drücke sich in der Struktur der zuweisenden Einrichtungen aus, so Rollnik. Die meisten Patientinnen und Patienten werden aus Zentren der Maximalversorgung, zum Beispiel Unikliniken, nach Hessisch Oldendorf verlegt, und zwar vor allem von den dortigen Intensivstationen. Unter ihnen befinden sich oft Patientinnen und Patienten mit isolierungspflichtigen Krankheitserregern, denn ein Intensivaufenthalt gehört zu den Hauptrisikofaktoren für eine Ansteckung mit multiresistenten Erregern.
Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten bei Aufnahme:
Ein erheblicher Anteil der Patientinnen und Patienten braucht deshalb intensivmedizinische und -pflegerische Unterstützung.
„Diese Zusatzaufwände werden in der bisherigen NNFR-Vergütung nicht ausreichend berücksichtigt“, bemängeln Rollnik und Michael Hengstermann, Geschäftsführer der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf.
Mit dem neuen KHVVG ist nun ein unterschiedliches Vergütungsniveau für Einrichtungen mit oder ohne Intensivmedizin vorgesehen. Die Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) und der BDH Bundesverband Rehabilitation fordern daher eine zusätzliche Leistungsgruppe im Katalog, um NNFR-Patientinnen und Patienten mit Beatmung adäquat abzubilden.
Rollnik und Hengstermann sind in ihrem Beitrag zur aktuellen Diskussion allerdings nicht dafür, das einheitliche Vergütungsniveau daran festzumachen, ob Einrichtungen eine Intensivmedizin haben oder nicht. Sie möchten vor allem Fachkliniken dazu ermutigen, die Klinikbesonderheiten im Hinblick auf Strukturqualität und Patientenklientel zu analysieren und differenziert darzulegen, um in Budgetverhandlungen eine aufwandgerechte Entgeltvereinbarung zu erreichen.

In einem weiteren Beitrag der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Neurologie & Rehabilitation (3, 2025) stellt Dr. Simone Jenner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für neurorehabilitative Forschung (InFo) der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf, Assoziiertes Institut der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), die Bedeutung und Notwendigkeit einer gezielten Ernährungstherapie in der neurologischen Rehabilitation heraus. Sie verbessere nicht nur den Ernährungszustand betroffener Menschen, sondern unterstütze auch deren Rehabilitationsverlauf, vor allem wenn sie komplexe Krankheitsbilder und Vorerkrankungen haben.

Dr. Simone Jenner
Wissenschaftliche Mitarbeiterin BDH-Klinik Hessisch Oldendorf
Eine optimale Nährstoffversorgung ist essenziell für physiologische Körperfunktionen und auch für den Genesungsprozess. Nach eigenen Untersuchungen an der Klinik sind knapp 30 Prozent der Rehabilitanden bei Reha-Beginn unter- und 20 Prozent übergewichtig.
Schwer betroffene Frührehabilitandinnen und Rehabilitanden verlieren auch während der Rehabilitation an Gewicht. Das belegen auch internationale Studien, betont Jenner. Demnach sind bis zur Hälfte der Schlaganfallpatientinnen und -patienten (30 bis 49 Prozent) und sogar mehr als Dreiviertel der Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen (77 Prozent) von Mangelernährung betroffen.

Ernährungstherapie an der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf.
Diese Mangelernährung frühzeitig zu erkennen sei besonders wichtig, um Komplikationen zu vermeiden. In ihrem Beitrag demonstriert sie am Beispiel eines 50-jährigen Patienten nach Gehirnoperation und einem krankheitsbedingten Gewichtsverlust von zehn Kilogramm die ernährungsmedizinische Aufnahmeuntersuchung, Therapieempfehlungen und das Rehabilitationsergebnis. Die Ernährungstherapie verbesserte den Verlauf der Rehabilitation und die Lebensqualität des Betroffenen. Schließlich erläutert sie das ernährungsmedizinische Prozedere beim Management bei Entlassung.
Der Beitrag zur Ernährungstherapie in der neurologischen Rehabilitation erschien vorab im BDH-Magazin des BDH Bundesverband Rehabilitation und kann dort per PDF bezogen werden. BDH-Magazin Ausgabe 5/6 2025
Beide Autorenbeiträge oder die gesamte aktuelle Ausgabe der Neurologie & Rehabilitation können auch kostenpflichtig bezogen werden über den Hippocampus Verlag. Neurologie & Rehabilitation Ausgabe 3/2025