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Mit langem Atem zum Recht

19. Dezember 2023

17 Jahre nach ihrem Wegeunfall, der eine fortschreitende Augenerkrankung auslöste, hält Frau P. endlich schwarz auf weiß ihren Anspruch auf Erwerbsminderungsrente in den Händen. Erst im Berufungsverfahren vor dem Landessozialgericht kam sie mit dem BDH zu ihrem Recht und damit zur finanziellen Sicherheit für ihre Zukunft.

Im April 2006 passierte es auf dem Weg zur Arbeit. An einer Kreuzung fuhr ein unaufmerksamer Autofahrer direkt in die Fahrerseite von Frau P.s Auto.
Sie zog sich massive Zerrungen der Halswirbelsäule und Kopfverletzungen zu, auch das linke Auge wurde betroffen.

Ein halbes Jahr später diagnostizierte der Augenarzt einen erhöhten Innendruck in diesem Auge, der sich danach im Laufe von acht Jahren immer weiter ausprägte. Zunehmend drohte ihr der Verlust des Sehnervs aufgrund eines Grünen Stars (Glaukom). Schließlich musste operiert werden.

Mehrere behandelnde Ärzte vermuteten damals bereits aufgrund ihrer Untersuchungen einen zeitlichen Zusammenhang des Autounfalls zu der Verletzung des Auges. Die Berufsgenossenschaft, bei der Frau P. auf dieser Grundlage den Antrag auf teilweise Erwerbsminderungsrente stellte, sah das anders. Medizinische Gutachten nach Aktenlage machten eine Irisitis (Entzündung der Regenbogenhaut) mehrere Jahre vor dem Unfallereignis als wahrscheinliche Ursache aus.

Frau P. entschloss sich diesen Bescheid nicht hinzunehmen. „Bei einem so starken Sehverlust musste ich eine Vorsorge treffen“ sagt sie rückblickend. Dreidimensionales Sehen, das so wichtig beim Autofahren ist, war ihr nicht mehr möglich und das Arbeiten am Computer aufgrund der Einschränkung ermüdete sie schnell. Bald wurde klar, dass sie lange Anfahrtswege zur Arbeitsstätte und ihren ausgeprägten PC-Alltag nicht mehr meistern konnte.

Die Entscheidung, gegen die „große“ Berufsgenossenschaft zu klagen, fiel ihr dennoch nicht leicht. „Es war ein Riesenschritt“, sagt sie und nicht selten befielen sie auf dem folgenden jahrelangen Weg starke Zweifel.

Unterstützung und Geduld

Ihr Mann bestärkte und ermutigte sie immer wieder durchzuhalten. Aber ohne die Sozialjuristinnen des BDH an der Seite, wäre der Weg nicht möglich gewesen, sagt sie:

„Ich fühlte mich auf jedem Schritt gut über alle möglichen Varianten des juristischen Vorgehens informiert, immer fristgerecht und sorgfältig im Schriftwechsel entlastet und kompetent vorbereitet für mündliche Verhandlungen. Selbst in komplexe medizinische Sachverhalte arbeiteten sich die Kolleginnen ein. Das war beeindruckend“.

Einen langen Atem brauchten dennoch alle Beteiligten. In der ersten Instanz wurde die Klage abgeschmettert. Sowohl die Berufsgenossenschaft als auch das Gericht hatten Gutachten in Auftrag gegeben, die nach Aktenlage erstellt wurden. Beide Gutachten sahen in ihrem Ergebnis keine ursächlichen Zusammenhänge zum Unfall.

Frau P. ließ sich noch einmal von einer Fachärztin mit viel Erfahrung untersuchen, die ihr bestätigte, dass Veränderungen in den Strukturen des Auges deutlich darauf hinweisen, dass die Verletzungen verantwortlich für die Augenerkrankung sind. Ihr wurde klar, wie wichtig es ist, Spezialisten für unfallverletzte Augen zurate zu ziehen. Diese haben spezielle Unter-suchungsgeräte zur Verfügung, um entsprechende Messdaten zu erheben. Sie machte in der zweiten Instanz vor dem Landessozialgericht von ihrem Recht Gebrauch, einen eigenen Fachgutachter-Vorschlag einzubringen. Das Gericht stimmte zu.

Das Blatt wendet sich

Im Oktober vergangenen Jahres verpflichtete das Landessozialgericht die Berufsgenossenschaft, den Anspruch auf Anerkennung eines Sekundärglaukoms des linken Auges als Folge des Arbeits- und Wegeunfalls anzuerkennen und den Bescheid rückwirkend auf 2014 zu ändern.

Als Frau P. dann endlich im Sommer den Bescheid über die Anerkennung der Erwerbsminderungsrente in Höhe von 25 von Hundert in den Händen hielt, lag ein schwerer, aber erfolgreicher Weg hinter ihr, über den sie sich unheimlich freute. Sie schaut zurück: „Privat hätten wir das Ganze nicht stemmen können. Niemand kann das allein. Eine Mitgliedschaft im BDH ist deshalb genauso wichtig wie eine Haftpflicht- oder Hausratversicherung. Das rate ich allen. Und das nicht erst, wenn der Sozialrechtsfall eintritt, sondern prophylaktisch. Dann ist man nämlich auf der sicheren Seite: Denn während Versicherungen oftmals erst nach Monaten tätig werden, beginnt der BDH sofort mit seiner Unterstützung. Jeder, der es braucht, darf als Mitglied davon profitieren. Und, wenn man es nicht mehr braucht, kann man es anderen ermöglichen“.

Um diese solidarische Arbeit des BDH bekanntzumachen, legt Frau P. deshalb vor Ort in Apotheken und Arztpraxen die BDH-Magazine aus.

Zuversicht und Einsicht

Mit der ihr jetzt zugestandenen finanziellen Unterstützung schaut sie seitdem zuversichtlicher in ihre Zukunft, da sie mittlerweile ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann. Eine freiberufliche Tätigkeit im medizinischen Bereich ermöglicht ihr jetzt, Arbeitszeiten und -wege selbst einzuteilen, sich notwendige Pausen nach Befinden zu gönnen und immer wieder neu zu justieren, was kräftemäßig möglich ist. Denn die Sehkraft ist aufgrund der einäugigen Belastung mit zunehmendem Alter weiter gefährdet, weiß sie.

Mit ihrer funktionellen Einäugigkeit, die zunehmend mit eingeschränktem und langsamerem Reagieren verbunden ist, bekommt das Thema Barrierefreiheit auf Straßen und Schienen eine ganz persönliche Wichtigkeit für sie. Sie weiß zum Beispiel heute um so mehr wie wichtig es ist, im Straßenverkehr gesehen zu werden, damit Rücksicht genommen werden kann. Als Fußgängerin hat sie sich eine Neonjacke zugelegt, um auch in der Dämmerung gut erkennbar zu sein. Als Teilnehmerin im Autoverkehr ist ihr aufgefallen, dass es zwar einige Hilfsmittel im Auto gibt, die ihr die Teilhabe im Autoverkehr trotz Einäugigkeit erleichtern, wie eine Rückfahrkamera oder Pieper. Aber für das langsamere Fahren gibt es keine offiziellen Hinweise für andere Autofahrer. Das würde aber für mehr Verständnis sorgen, hat sie selbst erfahren. Aufklärung ist wichtig, sagt sie. Auch dafür setzt sie sich ein, wo sie kann.