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Behandlung der Mangelernährung – ein Praxisbeispiel

28. Juli 2025

Das Ernährungsteam der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf stellt vor, wie ein Ernährungsproblem in der Rehabilitation behandelt wird.

Ernährungsberatung

Das schnelle Erkennen eines Ernährungsproblems ist das A und O, um während der Rehabilitation gezielt darauf eingehen und einen optimalen Rehabilitationsverlauf für den Patienten gestalten zu können. Gut geschultes Klinikpersonal reagiert frühzeitig auf erste Anzeichen eines Ernährungsrisikos und leitet eine Ernährungstherapie ein. Dabei arbeiten Fachleute aus Medizin, Pflege, Therapie, Ernährungsberatung und Pharmakologie eng zusammen.

In dem heutigen Beitrag soll die Behandlung eines Ernährungsproblems anhand eines Beispiels aus der Praxis vorgestellt werden. Dazu schauen wir uns einen bei Aufnahme 50-jährigen Patienten an, der aufgrund einer zweieinhalb Wochen zuvor stattgefundenen Operation am Gehirn aus einem Akutkrankenhaus zu uns verlegt wurde. Bei Aufnahme war der Patient wach, orientiert und freundlich zugewandt. Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates gab es nicht, aber der Patient wies eine verwaschene Sprache und eine Wortfindungsstörung auf.

Ernährungszustand

Unser Patient zeigte ein schlankes Erscheinungsbild und wog zu Reha-Beginn 66,8 Kilogramm bei einer Körpergröße von 175 cm. Der daraus berechnete Body Mass Index (BMI) von 21,8 Kilogramm pro Quadratmeter lag leicht unter der altersentsprechenden Empfehlung, aber durchaus noch im Bereich des Normalgewichtes der geschlechtsentsprechenden Empfehlung. Eine Befragung des Patienten ergab, dass dieser innerhalb von wenigen Wochen circa zehn Kilogramm abgenommen habe, was einer Gewichtsreduktion von mehr als zehn Prozent des ursprünglichen Körpergewichts darstellte. Diese Gewichtsreduktion war ein sicheres Merkmal einer Mangelernährung.

Ernährungsmedizinische Aufnahmeuntersuchung

Exemplarische Darstellung einer BIA-Messung

Exemplarische Darstellung einer BIA-Messung.

Im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung wurde ermittelt, dass keine Unverträglichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln bestanden und der Patient an einem Angebot zur Aufbaukost interessiert sei.

Mithilfe einer Bioelektrischen Impedanz Analyse (BIA) wurde die Körperzusammensetzung des Patienten ermittelt. Dabei liegt der Patient entspannt auf dem Rücken und es fließt ungefähr 30 Sekunden lang ein nicht spürbarer Strom durch den Körper. Durch die unterschiedlichen Widerstände der einzelnen Körperstrukturen kann der Anteil von zum Beispiel Wasser, Knochen, Muskeln und Fett berechnet werden.

Die BIA ergab, dass der Patient eine reduzierte Körperzellmasse aufwies. Diese Körperzellmasse stellt die Gesamtheit aller eigenständig lebensfähigen, stoffwechselaktiven Zellen dar und bedingt die allgemeine Gesundheit und Funktion aller Organe in unserem Körper. Außerdem wurde sichtbar, dass die Zellgesundheit durch den Krankheitsprozess geschwächt war. Der hierfür betrachtete Parameter wird Phasenwinkel genannt und ist ein Marker für die Widerstandsfähigkeit und Gesundheit der Zellmembranen.

Im Blutbild zeigte sich außerdem ein leichtes Defizit in der Eiweißversorgung (Albumin ↓) sowie ein leichtes Entzündungsgeschehen (C-reaktives Protein ↑).

Therapieempfehlung und Ziele der Ernährungstherapie

Im Rahmen der BIA wurde ein Energiebedarf von mindestens 2.623 Kilokalorien pro Tag ermittelt. Aufgrund des Eiweißdefizites im Blutbild und der aktuellen Wundheilung (Operationswunde am Kopf) war der Proteinbedarf des Patienten erhöht.

Neben den regulären Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen und Abendbrot) wurde dem Patienten ein Angebot an hochkalorischen, eiweißreichen Zwischenmahlzeiten vorgeschlagen, das dieser auch annahm.

Als Ziele setzten wir uns:

  1. eine langsame Gewichtssteigerung in Richtung des Körpergewichts vor der Operation,
  2. eine Erhöhung der Körperzellmasse,
  3. die Verbesserung der Qualität der Zellmembranen (Phasenwinkel) sowie
  4. eine Erhöhung der Muskelkraft.

Rehabilitationsergebnisse

Der Patient konnte im Rehabilitationsverlauf sein Körpergewicht um 4,9 Kilogramm (etwa 200 Gramm pro Woche) steigern. Seine Körperzellmasse hat sich erhöht und die Muskelmasse zugenommen (Abbildung 1). Beides wirkte sich auf seine Muskelfunktion aus. So konnte der Patient seine Kraft an beiden Händen im Rehabilitationsverlauf steigern (Abbildung 2). Die Zellgesundheit konnte im Rehabilitationsverlauf ebenfalls verbessert werden. Der Phasenwinkel stieg um 30 Prozent des Ursprungswertes an.

Veränderung der Muskel- und Körperzellmasse im Rehabilitationsverlauf

Abbildung 1: Veränderung der Muskel- und Körperzellmasse im Rehabilitationsverlauf.

Verbesserung der Muskelkraft (Handkraft) im Rehabilitationsverlauf

Abbildung 2: Verbesserung der Muskelkraft (Handkraft) im Rehabilitationsverlauf.

Fazit

Generell hat die Ernährungstherapie das Ziel, den Rehabilitationsverlauf durch eine angepasste Ernährung positiv zu beeinflussen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu erhöhen. Der Patient aus unserem Praxisbeispiel war mehr als ein halbes Jahr bei uns in der Rehabilitation. Der Faktor Zeit spielt in der Ernährungstherapie eine ganz entscheidende Rolle, da Ergebnisse nicht sofort, sondern oftmals erst über einen längeren Zeitraum sichtbar werden. In unserem vorgestellten Praxisbeispiel konnten die gesetzten individuellen Ziele erreicht werden.

Autorinnen: Dr. Simone Schmidt (wissenschaftliche Mitarbeiterin), Britta Flegel (Diätassistentin), Verena Hellmann (Diätassistentin), BDH-Klinik Hessisch Oldendorf, Neurologisches Zentrum mit Intensivmedizin, Stroke Unit und phasenübergreifender Rehabilitation und Institut für neurorehabilitative Forschung (InFo)