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In vielen Schritten zur Gehfähigkeit: mit oder ohne Roboter?

03. Juni 2026

Brauchen wir kostenintensive Rehabilitationstechnologie, um die Gehfähigkeit nach einem Schlaganfall wiederherzustellen? Wissenschaftler bestätigten jetzt erneut die Wirksamkeit automatisch unterstützten Trainings.

Das Therapiegerät Lokomat

Wer wieder gehen lernen will, muss gehen, heißt ein gängiges Motto moderner Rehabilitationskonzepte. „Die Gehfähigkeit ist für Menschen nach einem Schlaganfall nicht selten beeinträchtigt. Schritte dahin, therapeutisch unterstützt, sind deshalb von großer Bedeutung“, erklärt Prof. Thomas Platz, BDH-Forschungsdirektor.

Neben einem intensiven Gehtraining auf dem Boden ermöglicht ein Laufbandtraining mit und ohne teilweiser Körpergewichtsentlastung das Üben komplexer Gangzyklen. Das Laufbandtrainings habe jedoch einen Nachteil, so Prof. Platz. Der Aufwand, den das therapeutische Personal bei schwerer Betroffenen hat, die noch nicht stehen oder gehen können, sei hoch. Vor allem, um das teilweise gelähmte (paretische) Bein durch die Therapeutinnen und Therapeuten immer wieder zu setzen und die Rumpf- und Gewichtsverlagerung zu kontrollieren.

Automatisierte stationäre elektromechanische Gangmaschinen können diese Aufgabe übernehmen. Platz erläutert: „In der Gangtherapie schwerer Betroffener gibt es dafür zwei Möglichkeiten: das robotergesteuerte Exoskelett oder eine elektromechanische Lösung mit zwei angetriebenen Fußplatten (Endeffektoren), die die Phasen des Gehens simulieren.“
Beide Gerätearten können Personal entlasten und Patienten viele Schritte trainieren lassen. Während sie das Personal entlasten, sind sie jedoch in der Anschaffung kostenintensiv.

Bringt ihr Einsatz aber auch den gewünschten Erfolg? Eine Gruppe von Reha- und Gesundheitsforschern aus Lübeck, Dresden und Pulsnitz, darunter Prof. Marcus Pohl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation, untersuchte jetzt erneut die Akzeptanz und den Zusatznutzen solcher Geräte. Im Blick hatten sie die Verbesserung der selbstständigen Gehfähigkeit, aber auch auf die Gehgeschwindigkeit und Gangausdauer von Patientinnen und Patienten.

In der großen wissenschaftlichen Übersichtsarbeit (Cochrane-Review) wurden von ihnen insgesamt 101 aktuelle Forschungsstudien zum Thema mit über 4.000 Teilnehmenden mit Schlaganfall zusammenfasst, analysiert und kritisch bewertet. Das Review schloss gegenüber der letzten Fassung vor sechs Jahren weitere 39 neue Studien ein.

Wissenschaftlich evident konnte damit gezeigt werden, so Prof. Platz, dass elektromechanisch unterstütztes Gangtraining in Kombination mit Physiotherapie in den ersten Monaten nach Schlaganfall die Chance erhöht, dass nicht gehfähige Menschen ihre selbstständige Gehfähigkeit wiedererlangen. Konkret war nachhaltig nachweisbar, dass von je neun behandelten Teilnehmenden statistisch einer durch das elektromechanisch unterstützte Gangtraining zusätzlich selbstständige Gehfähigkeit erreichte. Wer bereits wieder gehfähig ist, profitiert von der Technologie jedoch nicht relevant.

Elektromechanisch unterstütztes Gangtraining ist also eine wichtige klinisch relevante Option für die Schlaganfallrehabilitation. Ihr zusätzlicher Einsatz lohnt sich früh nach dem Schlaganfall für nicht gehfähige Betroffene, um wieder Gehfähigkeit zu erreichen.

Quelle der Studie:

  • Mehrholz J, Kugler J, Pohl M, Elsner B. Electromechanical-assisted training for walking after stroke. Cochrane Database Syst Rev. 2025 May 14;5(5):CD006185.pub6. https://doi.org/10.1002/14651858.CD006185. 
  • Deutsche Übersetzung der Zusammenfassung mit Kommentierung: Platz T, Elsner B & Mehrholz J. Brauchen wir kostenintensive Rehabilitationstechnologie, um Gehfähigkeit nach einem Schlaganfall wiederherzustellen? Ein Update der Evidenz. DGNeurologie 2026, 9: 252–255. https://doi.org/10.1007/s42451-026-00886-5