12. Juni 2025
Eine Studie zu klinischen Effekten einer intensivierten ambulanten Armrehabilitation nach Schlaganfall des An-Instituts der Universität Greifswald unter der Leitung von BDH-Forschungsdirektor Prof. Thomas Platz mit zwei bayerischen Spezialpraxen für Armtherapiemacht macht Mut.
Leichte oder schwere Armlähmungen gehören zu den häufigsten Folgen einer Hirnschädigung, zum Beispiel nach Schlaganfall. Setzt eine gezielte Rehabilitation früh ein, möglichst innerhalb weniger Tage nach dem Schlaganfall, und ist sie intensiv, können sich Armmotorik und Armfunktion wieder verbessern. Aber wirkt sich ein intensives Training auch noch im späteren Krankheitsverlauf auf die Verringerung von Schädigungen positiv aus?
Zwei Wochen lang trainierten im Rahmen der Studie in der Hand- und Ergotherapie-Praxis Laborn in München und Ergoldsbach knapp 100 Patientinnen und Patienten vier Stunden am Tag gemäß standardisierter Armrehabilitation mit enger therapeutischer Betreuung, entweder in einem Arm-Fähigkeits-Training bei leichter Schädigung oder einem Arm-Basis-Training bei einer schweren Beeinträchtigung. Zusätzlich wurden gerätegestützte Therapie mit virtueller Realität bei leichter Armlähmung zur Förderung von der Geschicklichkeit oder Arm-Roboter-Therapie bei schwerer Armlähmung eingesetzt, um die Beweglichkeit einzelner Gelenke zu verbessern. Rehabilitationsziel war dabei, die Hirnfunktion zur Steuerung des Arms wiederherzustellen oder zu verbessern.

Prof. Thomas Platz, BDH-Forschungsdirektor, setzt in der Neurorehabilitation schon länger auf innovative Ansätze wie den Einsatz von Robotern.
Unter den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern befanden sich junge und ältere Patientinnen und Patienten, Frauen und Männer und sowohl Menschen mit leichteren als auch überwiegend mit schweren Armlähmungen nach Schlaganfall. Einige hatten emotionale Belastungen aufgrund ihrer chronischen Erkrankung. Allen gemeinsam war, dass ihr Schlaganfall länger als sechs Monate zurücklag, im Schnitt sogar länger als zwei Jahre.
Doch lohnt es sich so spät nach einem Schlaganfall noch intensiv zu trainieren? In der Reha-Fachwelt, so Prof. Thomas Platz, Leiter der Studie, hält sich bis heute überwiegend die Meinung, dass man ausschließlich in den ersten Monaten nach einem Schlaganfall ausreichend therapeutische Möglichkeiten hat, die gestörte Armfunktion selbst wiederherstellen und dass es später eher darum geht, mit den vorhandenen Funktionen den Alltag bestmöglich zu bestreiten. „Wir konnten belegen, dass das so nicht stimmt“, erklärt Prof. Platz.
Denn in der Studie konnte nachgewiesen werden, dass sich durch eine intensive und spezifisch schädigungsorientierte Armrehabilitation von insgesamt 40 Stunden Therapie in zwei Wochen die aktive Bewegungskontrolle in den Schulter-, Ellbogen- und Fingergelenken bei den knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbessert hat.
Das zehntägige Training an der persönlichen Leistungsgrenze wurde intensiv therapeutisch begleitet. Die Patientinnen und Patienten wurden zusätzlich persönlich mit einer App ermutigt, auch zuhause ihren betroffenen Arm häufiger im Alltag zu benutzen. Mit einem Tracker wurde gemessen, ob sich in dieser Zeit der Einsatz des Armes auch außerhalb der Therapie erhöht hat.
Abschließend konnte eine relevante motorische Funktionsverbesserung nachgewiesen werden. Zudem nahm vorhandene Spastizität im Arm leicht ab. Und auch die Stimmungslage und Lebensqualität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbesserten sich – allein durch das Armtraining.
Die Behandlungsergebnisse wurden in der Studie nicht nur klinisch bewertet, sondern konnten auch mit Robotertechnik objektiv bestätigt werden.
„Wissenschaftlich ist das ein signifikanter Effekt und ein erstaunliches Ergebnis in so kurzer Zeit, wenn man berücksichtigt, dass der Schlaganfall so lange zurücklag“, kommentiert Prof. Platz.
Dieser Effekt trat unabhängig davon auf, wie lange der Schlaganfall bereits zurücklag und wie schwer die Armparese zu diesem Zeitpunkt war. Auch Alter, Geschlecht und Stimmungslage der Patientinnen und Patienten hatten keinen Einfluss auf dieses Ergebnis. Das heißt, dass der Behandlungserfolg – außer von der Behandlungsmotivation und Anstrengungsbereitschaft – nicht von anderen Voraussetzungen abhängig war, sondern im Wesentlichen alle vom Intensivtraining profitieren konnten. Es gab nur einen Unterschied: für Menschen, die bereits eine bessere Armbeweglichkeit in die Therapiestudie mitbrachten, verbesserten sich die Funktionen etwas mehr.
Außerdem untersuchte die Studie die Akzeptanz der anspruchsvollen Intensität des Trainings sowie mögliche Nebenwirkungen. „Viele Studien vernachlässigen das“, so Platz.
Bei der Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer traten Müdigkeit und Erschöpfung auf, aber auch Schmerzen und Muskelbeschwerden, insbesondere am Anfang der Therapie. Dennoch war dies für sie kein Grund zum Abbruch des Trainings. Die hohe Motivation zahlte sich aus.
Prof. Platz schlussfolgert: „Wenn man in die richtige Richtung fördert, können Menschen auch lange nach einem Schlaganfall profitieren.“ Mehrere Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein:
Bisher gibt es für eine solche Intensivtherapie keine festen Strukturen in der Gesundheitsversorgung, in denen sie finanziert werden. Aber Wohnortnähe und Integration von digitaler Nachsorge machen das Angebot attraktiv und umsetzbar. Es sollte eine Chance bekommen.

Praxisinhaber Michael Laborn (re.): "Robotik-Therapie ist nicht gleich Robotik-Therapie".
Das Arm-Fähigkeits-Training und das Arm-Basis-Training werden in den Praxen Laborn in München und Regensburg erfolgreich mit modernster Robotik-Technologie verbunden. Dieser besondere Therapieansatz ist individuell, zielgerichtet und intensiv.