30. April 2025
Wie Musik bei der Armrehabilitation nach Schlaganfall unterstützen kann, untersuchte ein Team der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.
Bildnachweis: MDR „Leben – das Geheimnis der menschlichen Zelle“
Ein Schlaganfall kann zu Lähmungen im Gesicht, in einem Arm oder sogar zu einer kompletten Lähmung einer Körperhälfte führen. Die Halbseitenlähmung (Hemiparese) ist dabei eine der häufigsten Folgen eines Schlaganfalls. Durch intensive Physio- und Ergotherapie kann das Gehirn wieder neu lernen, die Gliedmaßen zu kontrollieren.
Musiktherapie wird bereits kurativ, präventiv und rehabilitativ sowie in der Nachsorge vieler Erkrankungen eingesetzt – u. a. bei Parkinson- oder Schlaganfallpatientinnen und -patienten. So konnte vor einiger Zeit gezeigt werden, dass eine Kombination von Bewegung mit auditiven Reizen zu einer schnelleren Rehabilitation der Feinmotorik bei Schlaganfallpatientinnen und -patienten beiträgt. Diese Verklanglichung, also die Verwendung von Klängen zur Übermittlung von Informationen oder zur Visualisierung von Daten, nennt man Sonifikation. Diese war 2015 auch Gegenstand einer Studie an der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf: Dr. Simone Schmidt und Prof. Jens Rollnik untersuchten gemeinsam mit einem Team der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, ob eine neuartige musikalische Sonifikation auch die Kontrolle von grobmotorischen Armbewegungen bei Schlaganfall-Rehabilitanden verbessern kann. Des Weiteren sollte geklärt werden, ob und inwiefern die Sonifikation überhaupt therapeutischen Nutzen für Schlaganfall-Rehabilitanden bieten kann.
Für die Studie wurden Schlaganfallpatientinnen und -patienten mit einer Hemiparese nach dem Zufallsprinzip in eine Behandlungs- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Beide Gruppen erhielten zusätzlich zu ihrer Standard-Schlaganfallrehabilitation eine tägliche Therapieeinheit zur Bewegungen der Arme.

Wenn die Schlaganfallpatientinnen und -patienten in der Behandlungsgruppe ihren betroffenen Arm bewegten, hörten sie die Bewegungsfolge, die sie erzielten. Bewegungen zum Körper hin bzw. vom Körper weg führten dazu, dass sich die Lautstärke veränderte. Je höher sie ihre betroffene Hand bewegten, desto mehr veränderte sich die musikalische Tonhöhe in Form eine Abfolge der ersten sechs Töne einer C-Dur-Tonleiter. Wurde der Arm nun noch in der horizontalen Ebene (also von links nach rechts) bewegt, veränderte sich der Klag der Töne vom dumpf zu hell. Sensoren am Oberarm und am Unterarm und ein optisches Sensorgerät ermöglichten es, auch die Qualität der Bewegungen zu messen. Die Rehabilitanden der Kontrollgruppe erhielten kein solches auditives Feedback zu ihren Bewegungen.
Nach Abschluss der Behandlung wurden die Fortschritte der Rehabilitanden verglichen. Allerdings zeigte die Auswertung der Daten keine Hinweise auf einen zusätzlichen Effekt der Sonifikation auf die Bewegungsfähigkeit der betroffenen Hand. „Dennoch wiesen die Bewegungsdaten der Patientinnen und Patienten zumindest leichte Verbesserungen der Bewegungsflüssigkeit auf“, so Prof. Dr. Jens Rollnik. „Den Patientinnen und Patienten bereitete das Training außerdem viel Spaß. Da Musik auf eine sehr motivierende Art helfen kann, sowohl grob- als auch feinmotorische Bewegungen zu trainieren, stellt die musikalische Sonifikation daher durchaus eine sinnvolle Ergänzung der derzeitigen Neurorehabilitationsmethoden dar. Dies allerdings mit begrenztem klinischen Nutzen.“
Nikaram et al. 2019: Musical Sonification of Arm Movements in Stroke Rehabilitation Yields Limited Benefits