30. April 2025
Durch gezielte therapeutische Maßnahmen und Übungen können Patientinnen und Patienten, die nach einem Schlaganfall von einer gelähmten Körperhälfte (Hemiparese) betroffen sind, ihre Beweglichkeit, Kraft und Koordination schrittweise wiedererlangen. Ein Team der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf untersucht aktuell in Kooperation mit dem Institut für Sportwissenschaften der Leibniz Universität Hannover, inwieweit ein Tablet die Armrehabilitation unterstützen kann.
Die Armrehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der Funktionalität und der Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. In einigen Studien hat sich herausgestellt, dass neben dem unilateralen Armtraining, also dem Training ausschließlich des betroffenen Arms, auch ein bilaterales Armtraining, also die gleichzeitige Verwendung des betroffenen und des gesunden Arms, zu positiven Ergebnissen in der Behandlung führen kann und eine sinnvolle Ergänzung in der Therapie darstellt. Eine neu entwickelte App für Tablets zielt darauf ab, die Koordination beider Arme in bestimmten zeitlichen Abfolgen und Intensitäten bzw. Rhythmen zu trainieren und spricht dabei gleichzeitig verschiedene Sinnesmodalitäten an (visuell, auditiv und kinästhetisch). Das Forschungsteam untersucht nun, ob das Tablet-basierte Training mit dieser App die bimanuelle Koordination der Patientinnen und Patienten verbessert.

Abbildung 1

Abbildung 2
Für die Studie werden Schlaganfallpatientinnen und -patienten, deren Hand- und Armmotorik auf einer Körperseite durch den Schlaganfall beeinträchtigt ist, nach dem Zufallsprinzip in eine Behandlungs- oder eine Kontrollgruppe gelost. Beide Gruppen erhalten zusätzlich zu ihrer Standard-Schlaganfallrehabilitation über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich eine etwa 20-minütige Therapieeinheit zur Bewegung der Arme. Die Kontrollgruppe absolviert in dieser Zeit ein klassisches ergotherapeutisches Training, bei dem ausschließlich die betroffene Hand trainiert wird. Dabei greifen die Teilnehmenden mit der betroffenen Hand kleine Röllchen aus einer Kiste und stecken diese auf einen Holz-Kamm (Aximo-Training, Abb. 1). Die Behandlungsgruppe arbeitet während der Trainingseinheiten mit einem Tablet, welches sie mit beiden Händen so zu bewegen versuchen, dass eine Kugel auf einer schwarzen Kreislinie entlang rollt (Abb. 2).
Vor dem Training werden verschiedene motorische Tests durchgeführt, um trainingsbedingte Veränderungen feststellen zu können. Bisher konnte das Forschungsteam allerdings keinen Unterschied zwischen dem klassischen unilateralen ergotherapeutischen Training und dem bimanuellen Tablet-Training erkennen. Alle Patientinnen und Patienten konnten im Verlauf der Rehabilitation ihre Beweglichkeit und Kraft in der betroffenen Hand verbessern. Dennoch stellt das Tablet-basierte Training eine Therapieoption dar, die von den Patientinnen und Patienten gut angenommen und als bereichernde Abwechslung empfunden wurde. Der finanzielle Aufwand zur Umsetzung dieses Trainings ist zudem vergleichsweise gering und das Training könnte auch nach Abschluss der Rehabilitationsbehandlung im häuslichen Umfeld fortgeführt werden.
Da die Studie noch nicht abgeschlossen ist, lassen sich bislang keine abschließenden Schlussfolgerungen ziehen. Sobald die Daten vollständig vorliegen, sollen neben den motorischen Veränderungen auch die zusätzlich erhobenen funktionellen MRT-Bilder ausgewertet werden. Diese wurden vor und nach dem zweiwöchigen Training erhoben, um mögliche Veränderungen in den Bereichen des Gehirns zu untersuchen, die für Bewegungen der Hand zuständig sind. Es ist anzunehmen, dass das bimanuelle Tablet-Training im Vergleich zum unilateralen Aximo-Training zu einem stärkeren Informationsaustausch zwischen den beiden Gehirnhälften führt. Dies könnte eine verbesserte funktionelle Vernetzung zwischen der geschädigten und der gesunden Gehirnhälfte begünstigen. Ob sich diese Annahme bestätigen lässt, wird sich im weiteren Verlauf der Studie zeigen.